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Doz.: Rainer Kuhlen, Joachim Griebaum
Themengebiet: Informationswissenschaft / Angewandte Informatik
Dem Kurs liegt die (empirisch belegbare) Hypothese zugrunde, dass Wissen immer weniger individuell, vielmehr verteilt und in (oft virtuell organisierten) Gruppen erzeugt und genutzt wird. Dies gilt sicherlich in organisationellen und wissenschaftlichen Umgebungen. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass sich der Umgang mit und das Management von Wissen und Information immer mehr in elektronischen Umgebungen abspielt. Mit "Umgang mit Wissen und Information" meinen wir die Formen der Produktion, der Darstellung, der Aufbereitung, des Austauschs, der Verteilung, des Zugriffs auf das dargestellt Wissen und der Nutzung und des Nutzens von Wissen, mit "Wissensmanagement" entsprechend die Formen, wie dieser Umgang organisiert ist.
Entsprechend soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit organisierte und institutionalisierte Formen elektronischer Kommunikation als angemessene Instrumente des Wissensmanagement angesehen und verwendet werden können. Angemessen soll heißen: entsprechend a) den gegenwärtigen informations- und kommunikationstechnologischen und -methodischen Potenzialen und b) den Erwartungen der beteiligten Personen, Gruppen und Organisationen an einen effizienteren Umgang.
Vor allem aus der sozialpsychologischen Forschung zur computerunterstützten Kommunikation sind jedoch durchaus widersprüchliche Aussagen zur Effizienz und Effektivität von elektronischen Kommunikationsformen abzuleiten, die wegen unvermeidbarer medialer Kanalreduktion von größter Skepsis bis hin zu euphorischer Unterstützung wegen der großen Bandbreite medialer Substitutions- bzw. Kompensationsmöglichkeit reichen.
Am Beispiel der verteilten Wissensorganisation von enzyklopädischem Fachwissen soll untersucht werden, welche Erfolgsfaktoren und Akzeptanzkriterien für den Einsatz von elektronischen Kommunikationsforen für das Wissensmanagement maßgeblich sind. Hierfür wird auf den experimentellen aber real im Einsatz befindlichen Prototypen ENFORUM (Virtuelles Enyzklopädisches Wissensforum) zurückgegriffen.
Anwendungsumgebungen kollaborativen Wissensmanagements:Entsprechend dem Thema des Kurses kann nicht das Vorlesungsparadigma des Frontalunterrichts
zum Einsatz kommen. Vielmehr soll das Wissen des Kursgegenstands gemeinsam erarbeitet werden.
In dem eher theoretischen Teil des Kurses (Do) werden eher traditionelle Seminartechniken eingesetzt, z.B. werden grundlegende
Texte gemeinsam besprochen (nach individueller Kurzpräsentation der zentralen Thesen, exemplarische
Webauftritte zur Erläuterung des kommunikativen/kollaborativen Paradigmas des Wissensmanagements vorgestellt und
diskutiert. Die Verbindung zu dem eher praktischen Teil des Kurses (Di) wird dadurch hergestellt, dass die Themen
des Kurses auch über das für den Kurs eingerichtete elektronische KommunikationsforumKommunikationsforum vorab und im Anschluss
an die jeweilige Sitzung weiter diskutiert werden.
Weiterhin sollen im praktischen Teil Formen kollaborativen Wissensmanagements durch traditionelle und elektronische Kommunikations- und Wissensmanagementformen eingeübt werden. Ein spezielles Ziel ist es, unter Verwendung der Lehrstuhl im Projekt ENFORUM entwickelten Software die Generierung von konzeptorientiertem Wissen im kommunikativen Paradigma in Übungen selbst zu betreiben.