V2
Termin: Do 8.30-10 h/D 406; 1. Veranstaltung: 29.04.
Doz.: Rainer Kuhlen
Themengebiet: Informationswissenschaft
Adressaten:
Studierende des Information Engineering im Bachelor-Vertiefungsstudium
Studierende des Information Engineering im Masterstudium
Studierende anderer Fächer wie Philosophie, Informatik, Kommunikationswissenschaft,
Wirtschaftswissenschaft, ebenfalls Lehramtskandidaten, die Ethik-Veranstaltungen
besuchen wollen/müssen
Ziel:
a) Herausarbeiten zentraler Konfliktfelder und Interessen in elektronischen Umgebungen
b) Erarbeiten informationsethischer Grundlagen, die als Beitrag zur Lösung von Konflikten angewendet werden können.
c) Erarbeiten informationsethischer Kernbereiche
d) Vermittlung der Kompetenz zum Führen informationsethischer Diskurse
Gegenstandsbereich:
Ethik ist die Reflexion auf die historisch entwickelten kulturellen Werte und Normen einer Gesellschaft (die 'Moral'). Ethik will in ihrem normativen Anspruch Maßstäbe bereitstellen, wie reale Handlungen als moralisch korrekt beurteilt bzw. wie praktische Prinzipien des Handelns, auch mit Blick auf regulatorische und rechtliche Gestaltung, entwickelt werden können.
Informationsethik ist Ethik unter den Bedingungen fortschreitender Durchdringung aller Lebensbereich mit Informations- und Kommunikationstechnologien bzw. -diensten. Informationsethik wird nicht naturrechtlich oder abstrakt deontologisch (d.h. abgeleitet aus allgemeinen Prinzipien) begründet, sondern leitet ihre Fragestellungen und Themen aus den Gestaltungsbedingungen der Räume ab, in denen sich die Menschen bewegen und in denen sie Verhaltensweisen, Gepflogenheiten, Normen und ihre Interessen entwickeln. In unserem Fall sind es die vom Internet bestimmten virtuellen Räume, die die Rahmenbedingungen für die Ausgestaltung der Informationsethik ausmachen.
Inhalt und Ablauf:
Der Kurs wird nach dem Prinzip des Blended Learning durchgeführt, d.h. in einer Mischung von Präsenzveranstaltungen und elektronischer. Am Ende des Kurses, Anfang Juli, wird es ein 6 stündiges Seminar geben, bei dem vor allem die Ergebnisse der asynchronen Diskussionen präsentiert, diskutiert und ausgewertet werden.
Nach einer Einleitungsphase, die der Einigung über die zu behandelnden Themen der Informationsethik und der Erarbeitung der informationsethischen theoretischen Grundlagen dient, werden in jeweils zweiwöchigen Phasen einelne Themen diskutiert und mit Material (Links, eigene Stellungnahmen, Literatur etc.) angereichert.
Schwerpunkte des Kurses sind:
(a) Grundlegung einer Wissensökologie;
(b) Kommunikationsrechte;
(c) Umgang mit Wissen und Information - Wissensregimes
Speziellere Themen sind: Wissen als privates oder öffentliches Gut, Privatheit in elektronischen Umgebungen; Kontrolle/Überwachung/Filtern/Abblocken; Informations- und Kommunikationsfreiheit; Ausprägungen des Digital divide und ihrer Überwindung; Vertrauen auf elektronischen Märkten; Informationskompetenz; informationelle Autonomie; Roboter-/Epers-Ethik.
Folgende Ziele sollen im Kurs erreicht werden
- welche klassischen ethischen Theorieansätze auch für Informationsethik verwendet werden können
- welche Informationsinteressen über welche Akteure ausgemacht werden können, die auf die Ausgestaltung der Informationsgesellschaft einwirken
- inwieweit bisherige ethische und rechtliche Begründungen für Informationskulturen und Informationsinteres sen weiterhin tragfähig sind bzw.
- welche Konflikte dadurch entstehen, dass bestimmte Informationskulturen und Informationsinteressen an dere zu dominieren oder gar auszuschalten versuchen
- welche Barrieren bzw. Einschränkungen entstanden sind, die den freien Zugriff auf Wissen und Information und die freie Beteiligung am Austausch von Wissen und Information behindern
- ob und wie bürgerliche Freiheiten/Werte, z.B. Anspruch auf Privacy, Anonymität der Wissensnutzung, auch in digitalen Räumen gegenüber politischen und kommerziellen Ansprüchen (Sicherheit, Information/Wissen als Ware) gesichert werden können
- ob sich unter den Bedingungen der fortschreitenden Informatisierung von Wissen und Information neue in formationsethische Normen entwickeln, die in politische Handlungsmaximen und rechtliche Festschreibungen umgesetzt werden sollten
- welche Formen des Ausgleichs zwischen verschiedenen Interessen und Kulturen entwickelt worden sind und welche im Sinne eines 'Best practice' als Muster für andere dienen können
Literatur:
Zu Kursbeginn wird aller Voraussicht nach das beim Verlag eingereichte Manuskript eines Buches zur Informationsethik des Kursleiters vorliegen, in dem auch die wesentliche Literatur eingearbeitet ist, im Semester selbst dann sicherlich auch das fertige Buch (R. Kuhlen: Informationsethik ? Ethik in elektronischen Räumen) erhältlich.
Vorab könnten eingesehen werden:
- Hamelink, Cees J.: The Ethics of Cyberspace. Sage Publications: London 2000
- Johnson, D.G.: Computer ethics. Prentice Hall: Upper Saddle River, NJ 3rd 2001
- Lessig, Lawrence: Code and other laws of cyberspace. Basic Books (Perseus Books Group): New York 1999.
- Rudinow, Joel; Graybosch, Anthony: Ethics and values in the Information age. Thomson Learning: Belmont, CA 2002
- Spinner, Helmut F.; M. Nagenborg, Michael; Weber, Karsten: Bausteine zu einer neuen Informationsethik. Philo: Berlin, Wien 2001
- Spinello, Richard: Cyber ethics. Morality and law in cyberspace. Jones and Bartlett Publishers: Boston 2000
Leistungsnachweis:
Um PO-konform zu sein, muss über die zu Beginn des Kurses unter den Teilnehmern
Konsens über die innovative Prüfungsform erzielt werden:
Der Kurs wird über elektronische Kommunikationsforen und andere K-Formen (Wiki, Weblogs etc.) begleitet. Es soll das Konstanzer System K3 für kollaboratives Lernen zum Einsatz kommen. Nebenziel des Kurses ist somit auch der Erwerb von Kompetenz im Führen elektronischer Diskurse, einschließlich der verschiedenen Moderations-/Koordinationsfunktionen.
Leistungsgrundlage sind a) die in die elektronischen Kommunikationssysteme eingetragenen Beiträge (vielfältigster Art) der Kursteilnehmer (sowohl als individuelle als auch als Gruppenleistung). Dazu wird ein Credit-System zur Anwendung kommen, durch das diese Beiträge evaluiert und angerechnet werden. Es wird weder Hausarbeit noch Klausur geben.
Für den Kurs ist eine Anmeldung im Kommunikationsforum erforderlich. Die Webadresse für den Kurs im SS 04 bitte einsehen unter: http://www.inf-wiss.uni-konstanz.de/CURR/lehre.html
Leistungspunkte:
Bei erfolgreicher Teilnahme (s.o.)
können 3 Punkte erworben werden.