Uni-Konstanz

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Fachgruppe Informatik und Informationswissenschaft

 

information engineering

 

 

 

 

Wissen und Information in elektronischen Räumen: Neue Organisationsmodelle für den privaten und öffentlichen Sektor? -
New models for knowledge and information in electronic environments

(V2/S2)

Termin: Di 10-12 h, E 405 (V)
Doz.: Rainer Kuhlen, Volker Schneider (Verwaltungswissenschaft)

Adressaten:

Studierende des Information Engineering im Masterprogramm

Themengebiet: Informationswissenschaft

Angebot im Lehrexport:

Verwaltungswissenschaft, benachbartes Fach

Inhalt:

Die Beantwortung der Frage nach dem Besitz an Wissen bzw. dem Zugriff auf Information ist mitentscheidend für die Entwicklung gegenwärtiger Gesellschaften. Die politische Herausforderung besteht darin, unter Anerkennung der technologischen und medialen Rahmenbedingungen sowie des sich abzeichnenden Wertewandels (z.B. bei geistigen Eigentum, beim Konzept der Privatheit oder dem Begriff des individuellen Autors) einen Konsens bzw. eine Balance zwischen öffentlichem und privatem Interesse an Verwertung bzw. dem Austausch von Wissen und Information zu finden. Offensichtlich ist, dass sich diese Balance nicht von selber erstellt. Im Kurs sollen die wesentlichen Akteure, die an der Nutzung und Verwertung von Wissen und Information interessiert sind, bzw. deren Interessen, Strategien und normative Grundlagen herausgearbeitet werden.

Aufgabe des Staates ist es, z.B. die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass nicht eine für die Entwicklung der Gesellschaft künstliche Verknappung des Zugriffs auf die das Wissen repräsentierenden Informationsprodukte entsteht bzw. positiver, wie die in den Umgebungen des Internet bislang freien Zugriffsmöglichkeiten weiter verbessert werden können.

Entscheidend ist aber auch, inwieweit die Informationswirtschaft in der Lage ist, im digitalen Umfeld neue angemessene Organisations- und Geschäftsmodelle für den Umgang mit Wissen und Information zu entwickeln, die es ihr einerseits erlaubt, in die Produktion von Informationsgütern mit Aussicht auf Refinanzierung und Gewinn zu investieren, die aber andererseits die Freiräume offen lassen, dass Nutzer von Informationsprodukten sich nicht veranlasst sehen, die „offiziellen“ Märkte zu vermeiden und auf den „inoffiziellen“, von Seiten der Wirtschaft als illegal bezeichneten Parallelmärkten aktiv zu werden.

Im Kurs sollen entsprechend die folgenden Fragen behandelt werden:

Welche Regulierungsformen (von Seiten des Staates bzw. überstaatlicher Organisationen) mit welchen Konsequenzen haben sich im digitalen Umfeld für den Umgang mit Wissen und Information entwickelt? Hier sollen in erster Linie die Veränderungen in den Regelungen für geistiges Eigentum (Copyright, Urheberrecht, Patentierung) seit TRIPS/WTO, WIPO, DMCA (USA), EU-Richtlinie zur Harmonisierung der Urheberrechts bis hin zur aktuellen deutschen Anpassungsdebatte untersucht werden.

Welche Konsequenzen sind aus den Maßnahmen zur technischen Kontrolle des Umgangs mit Wissen und Information (über Softwareformen des Digital Rights Management) zu erwarten? Sind Verfahren des DRM Teile einer Kulturrevolution mit dystopischen Tendenzen (Verlust bürgerlicher Freiheiten wie Recht auf Anonymität und Privacy), oder ermöglichen sie erst einen freizügigen gerechten Umgang mit Wissen und Information durch transparente Verfahren eines User Rights Management?

Die Debatte um die Napsterisierung von Wissen (einerseits als Piraterie, andererseits als Freiheit beim Umgang mit Wissen etikettiert) hat erkennen lassen, dass die bisherigen proprietären Modelle für den Umgang mit Wissen und Information in digitalen Umgebungen nicht mehr angemessen sind und keine Akzeptanz finden. Die verschiedenen neuen Geschäfts-, Organisations- und Finanzierungsmodelle sollen im Kurs in ihren Merkmalen und Konsequenzen besprochen, zum Teil erst genuin entwickelt werden.

Unter dem Stichwort des 'public commons' (Lessig), traditionell unter dem Begriff von Wissen als öffentliches Gut, wird zur Zeit weltweit die Debatte geführt, welche Bereiche des Wissens in welcher Form in der öffentlichen Verantwortung bleiben sollen und gegenüber einer vollständigen Kommodifizierung geschützt werden sollen. Hier sollen Themen wie informationelle Grundversorgung, Möglichkeiten und Grenzen von Organisations- und Finanzierungsmodellen für die Bereitstellung öffentlichen Wissens, z.B. Public-Private-Partnership, Sicherung von Privacy und Qualität von Informationsprodukten besprochen werden.

In internationaler Perspektive sollen die unterschiedlichen Ansätze der Globalisierung von Wissen und Information besprochen werden, durch einen Vergleich der Vorstellungen, Prinzipien und Aktionspläne, z.B. von WTO (GATS, TRIPS etc.), UNESCO (Programme wie Information for All etc.), G8, ITU (im Zusammenhang der Vorbereitungen für den World Summit on Information Society - WSIS).

Literatur:

Entsprechende Literatur wird im Laufe des Semesters auf der Website des Kurses bereitgestellt, ebenso ein elektronisches Kommunikationsforum, über das die Themen über die aktuellen Sitzungen hinaus diskutiert werden können. Einstieg im Laufe des Semesters über: http://www.inf.uni-konstanz.de/Lehre/ws0203/index.html.

Leistungsnachweis:

Übernahme eines Kurzreferats und dessen schriftliche Ausarbeitung als Hausarbeit.

Der Kurs ist parallel als Seminar anrechenbar.

Leistungspunkte:

Bei erfolgreicher Absolvierung können 3 Credits angerechnet werden.