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Ringvorlesung
"Informationsverarbeitende Systeme"
 
 
Sichten auf die Informatisierung der Gesellschaft
 
 

 
 
Dienstag, 23.10.2001
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Prof. Dr. Rainer Kuhlen
 
Universität Konstanz
FB Informatik und Informationswissenschaft
 
"Napsterisierung und Venterisierung -
Varianten einer politischen Ökonomie des Wissens"

 

 Über den Vortrag


  Es werden die Zukunft vermutlich bestimmende Organisationsmodelle für den Umgang (Produktion, Verbreitung und Nutzung) mit Wissen bzw. Informationsprodukten beschrieben. Idealtypisch wird dabei zwischen Napsterisierung und Venterisierung unterschieden. Mit "Napsterisierung" wird (in polemischer Absicht) die Aneignung und Weitergabe von Informationsprodukten unter Umgehung kommerzieller Gepflogenheiten des Handels mit diesen Produkten bezeichnet: Vorbild die Tauschbörse Napster. "Venterisierung" hingegen benennt den perfektionierten Vorgang der kontrollierten, privaten Aneignung von Wissen und dessen Umsetzung in Informationsprodukte, die auf den Informationsmärkten im Sinne von kommerziellen Plattformen oder Marktplätzen gehandelt werden. Vorbild: die von Craig Venter gegründete Firma Celera Genomics. Napsterisierung kann aber auch als ein der globalen Netzwelt angemessenes neues Organisationsmodell (und dann auch Geschäftsmodell) für die Produktion und Nutzung von Wissen verstanden werden, das auf den Prinzipien des Information sharing und der verteilten Eingabe von Wissensobjekten und ihres Abrufs beruht. Napsterisierung in diesem Sinne könnte also ein Gegenmodell zur zentralen Organisation und Verteilung von Wissen sein. Im Beitrag werden die Vorgänge der Napsterisierung an den Beispielen Napster selber, der Auseinandersetzung um Kodierung und Dekodierung von DVD, der eBooks (Digital Rights Management) und der Napsterisierung innerhalb der Wissenschaft (Referenzierungsverluste und Direktpublikation) detailliert diskutiert und daraus Schlüsse für neue Wissensorganisationsmodelle und damit für eine politische Ökonomie des Wissens gezogen. Unter der Voraussetzung, dass Wissen nicht umfassend kontrolliert werden kann, wird nahegelegt, dass die Informationswirtschaft unter Anerkennung der Prinzipien des Information Sharing, der verteilten Informationsarbeit, der Lizensierung von Information mit der Verpflichtung der Offenlegung und Referenzierung, des Pricing for Information und der Bereitstellung informationeller Mehrwerte besser neue Organisations- und Nutzungsmodelle entwickeln sollte, als dass Napsterisierung und Venterisierung weiterhin Positionen eines fortgesetzten Informationskrieges besetzen.
 
   
> Volltext
   
> Literatur
  Himanen, Pekka (2001): The hacker ethic and the spirit of the
information age, Random House: New York (mit einem Prolog von
Linus Torvalds und einem Epilog von Manuel Castells)
  Kuhlen, Rainer (1999): Die Konsequenzen von
Informationsassistenten. Was bedeutet informationelle Autonomie
oder wie kann Vertrauen in elektronische Dienste in offenen
Informationsmärkten gesichert werden? Suhrkamp-Verlag: Frankfurt
a. M. (stw 1443)
  Kuhlen, Rainer (2001): Universal Access - Wem gehört das Wissen?
Gut zu wissen - links zur Wissensgesellschaft. Kongress der
Heinrich-Böll-Stiftung. 4.-6. Mai Humboldt-Universität zu Berlin
(http://www.ib.hu-berlin.de/~kuhlen/Vortraege01-Web/publikationstext.pdf)
Lessig, Lawrence (1999): Code and other laws of cyberspace, New
York, NY
  Manasse, Mark S. (2000): Why rights management is wrong (and what
to do instead). W3C DRM Workshop 2001
(http://www.w3.org/2000/12/drm-ws/pp/compaq.html)

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 über den Referenten
 

Beruflicher Werdegang

 
  Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Soziologie in Münster; Assistent für Philosophie (Prof. J. Ritter) 1969 – 1972; Postgraduierten-Ausbildung zum Informationswissenschaftler an der Zentralstelle für maschinelle Dokumentation (ZMD) in Frankfurt 1972 – 1974; bis 1979 Dozent am Lehrinstitut für Dokumentation (LID) in Frankfurt, Promotion 1976 an der Universität Regensburg; 1979 Vertretung einer C4-Professur Computerlinguistik im Informatik-Studiengang Koblenz; 1980 Annahme des Rufs auf eine C4-Professur für Informationswissenschaft an der Universität Konstanz; Ablehnung verschiedener Rufe; Stiftungsprofessur der Volkswagenstiftung 1985; Forschungspreis Technische Kommunikation der SEL-Stiftung 1990; Stiftungsprofessur für interdisziplinäre Studien an der TH Darmstadt 1993/94; Gastprofessur Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Bibliothekswissenschaft 1.10.2000-30.9.2001  
  Forschungs- und Lehrschwerpunkte  
  Experimentelles Information Retrieval, Hypertext, Informationsmarkt/-wirtschaft, elektronische Mehrwert-/Suchdienste, elektronische Marktplätze, Computerunterstützte Kommunikation (Foren etc.), Medieninformation, Informationsassistenten/-agenten, Vertrauensmanagement, Informationsethik, Informationspolitik, elektronische Wörterbücher /Enzyklopädien  
  Aktuelle professionelle Funktionen  
  Wissenschaft: Editorial in Fachzeitschriften wie Information Processing&Management, Journal for Information Science, Library Management, Nachrichten für Dokumentation; Hauptherausgeber der Reihe Schriften zur Informationswissenschaft des Hochschulverbandes für Informationswissenschaft (HI) (Universitätsverlag Konstanz); Mitherausgeber der Reihe Beiträge zur Wirtschaftsinformatik (Hochschulverlag ETH Zürich); Mitherausgeber der Reihe Telekommunikation und Mediendienste (Josef Eul Verlag); Vorsitzender der Gesellschaft für angewandte Informationswissenschaft (GAIK, Konstanz); Mitglied des Vorstandes des Hochschulverbands für Informationswissenschaft (HI); Inhaber des UNESCO-ORBICOM-Chairs in Communications für Deutschland (seit 1999); Leiter des Steinbeis-Transferzentrums „Informationsmärkte und Information Engineering (IMIE, vormals IMAC)“ an der Universität Konstanz; seit 1996 persönliches Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK); Vorsitzender des Vereins NETHICS e.V. (Informationsethik im Netz)
 
   
> Homepage/Lehrstuhl des Referenten
   


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© 2001 Universität Konstanz· letzte Änderung  21.10.2001