University of Konstanz
Universität Konstanz
Fachbereich Informatik & Informationswissenschaft

Filmvorführung "Weizenbaum. Rebel at Work." am 30. März 2007, 18:00 Uhr, R711, mit anschließender Diskussion mit den Filmemachern - Eintritt frei


(Bild von der Seite zum Film: http://www.ilmarefilm.org/W_D_1.htm)

Termin: 30. März 2007, 18:00 Uhr, R711, mit anschließender Diskussion mit den Filmemachern
Filmtitel: Weizenbaum. Rebel at Work. Ein Film von Peter Haas, Silvia Holzinger, 80 min., GER/USA/AUT, ©2006

Zusammenfassung:
Im Nikolaiviertel, in einer kleinen Wohnung mit Blick auf das Marx-Engels-Forum und den Berliner Dom lebt Joseph Weizenbaum.

Der 83-jährige ist wieder in Berlin. Zurückgekehrt? So würde er es nicht nennen. Geboren im Berlin der 20er-Jahre wächst er in der jüdischen Bürgerschicht auf. Wohnung und Kürschnerei des Vaters sind auf einer Etage, die Familie wohnt am vornehmen Gendarmenmarkt, Joseph hat sein eigenes Kindermädchen. Ein einziger Persianermantel als Startkapital und die Familie verlässt Nazi-Deutschland für immer. An Bord des Schnelldampfers Bremen geht es 1936 nach New York, dann weiter nach Detroit, Michigan. Für den damals 13-jährigen Joseph ein abenteuerlicher Ausflug, für die Eltern eine einzige Überforderung.

Ein Computer wird an der Universität gebraucht, also wird er gebaut, Joseph ist im Team. Er geht nach Kalifornien, als im Silicon Valley noch Obstbäume stehen. Es ist die Frühzeit des Computers: Noch gibt es keine Handbücher, man lötet, schraubt, macht Fehler und probiert von Neuem, jeder kennt jeden. Im Kalten Krieg spielt Geld keine Rolle. Mit jeder neuen Bedrohung müssen die Computer schneller werden. Für Joseph eine herrliche Zeit und der Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere in den USA. Er wird Professor auf Lebenszeit am elitären Massachusetts Institute of Technology, dem MIT, als die Informatik gerade entsteht. Doch Joseph ist ein Rebell: In seinem Buch "COMPUTER POWER AND HUMAN REASON" greift er die eigenen Fachkollegen scharf an und kritisiert deren Allmachtsphantasien, den Militarismus und die vorherrschende Wissenschaftsgläubigkeit.

Zum Dissidenten geworden, entscheidet er sich Anfang der Neunziger für die erneute Emigration. Seither füllt er mit seinen Gastvorträgen mühelos die Hörsäle: Er ist eine moralische Instanz, ein un-akademischer Mahner, ein origineller wie eindringlicher Kulturpessimist. Seine uneitlen Vorträge sind kleine Happenings, der Mann mit dem Schnauzbart und langem Haar wird beinahe zur Kultfigur. Nicht zuletzt, weil er so einfach über Computer sprechen kann, dass ihn jeder versteht.

Berlin. Ein verschmitzter Geschichtenerzähler fügt unzählige Anekdoten, Erinnerungen und Einfälle zusammen zu einem Gemälde, das er sein Leben nennt.

Joseph Weizenbaum

Joseph Weizenbaum (* 8. Januar 1923 in Berlin) ist ein deutsch-US-amerikanischer Informatiker und Gesellschaftskritiker jüdischer Abstammung.

1963 begann er seine Tätigkeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT), zunächst als Associate Professor, ab 1970 als Professor für Computer Science. 1966 veröffentliche Weizenbaum das Computer-Programm ELIZA, mit dem er die Verarbeitung natürlicher Sprache durch einen Computer demonstrieren wollte; Eliza wurde als Meilenstein der künstlichen Intelligenz gefeiert.

Er ist Mitbegründer der Computer Professionals for Social Responsibility in den USA und des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) in Deutschland. Weizenbaum ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates am Institute of Electronic Business in Berlin. 2002 verlieh ihm die Gesellschaft für Informatik die Ehrenmitgliedschaft. Er ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und hält vier Ehrendoktor-Auszeichnungen (unter anderem von der Uni Hamburg und der Uni Bremen sowie eine Doctor of Humane Literature vom Webster College (USA).

ELIZA

ELIZA ist ein 1966 von Joseph Weizenbaum entwickeltes Computerprogramm, das die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen einem Menschen und dem Computer über natürliche Sprache aufzeigen sollte. Den Namen ELIZA wählte Weizenbaum in Anlehnung an das Schauspiel Pygmalion von George Bernard Shaw. Auch wenn das Programm über so genannte Skripten verschiedene Gesprächspartner simulieren konnte, ist es für die Simulation eines Psychotherapeuten, der die Methoden Carl Rogers verwendet, bekannt geworden.

(Applet von der Seite von C. Hayden: http://www.chayden.net/eliza/Eliza.html)

Links

Literatur